Erste Kirche

Fundament aus der Römerzeit

Im Buch Die Steiermark im Frühmittelalter 2004 erwähnt Hermann Baltl die Gratkorner Kirche könnte auf den Fundamenten eines römischen Gebäudes errichtet worden sein.

Das Gratkorner Becken wird von der Mur durchflossen. Der Name des Flusses hat durchaus den gleichen Ursprung wie das Wort Mure, da der Fluss sehr viel Erde und auch Steine bei Hochwasser mit transportiert. Die Ebene wurde regelmäßig überflutet. Flußüberflutungen bedeuten fruchtbare Böden und spielen daher in früher Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Daher die Vermutung, dass die Römer dies hier auch landwirtschaftlich genutzt haben.
Um 860 hat das Erzbistum Salzburg hier Besitzungen in Brunn und der Dult. Daher gilt als sicher, dass es zu dieser Zeit hier bereits Christen gab. Bei anderen dieser Urkunden werden auch Kirchen genannt, hier nicht. Aus Vergleichen weiß man inzwischen, dass die ersten Christen nach der Völkerwanderung sich aber Holztürme bzw. kleine Holzkirchen errichtet haben, eventuell sogar ein kleiner Bau aus Stein, der Altar und die Geistlichen vor Witterung geschützt hat. Ein fester Untergrund erleichtert einen solchen Holzbau. Die erste Kirche aus Stein könnte dann anstelle dieses Versammlungsortes gebaut worden sein.
2017 bei der Außenrenovierung der Kirche wurden dann tatsächlich Gegenstände aus der Römerzeit gefunden, die Archäologen eine “villa rustica” – ein römisches Landhaus vermuten lassen.
Es gab keine Funde, die Rückschlüsse auf den Glauben der Bewohner dieses Landhauses zulassen.

Indizien für eine Romanische Kirche

Weiters kann aus Vergleichen darauf geschlossen werden, dass die erste Kirche eine romanische war und einige Jahre oder Jahrzehnte nach 985 der Neuerrichtung des Stephansdoms in Passau errichtet wurde. Im heutigen Ostösterreich wurden in der Folge einige Stephanskirchen gebaut als Eigenkirchen vermutlich auch als Gegenbewegung der Adeligen gegen die Rupertus- und Peterskirchen der Bischöfe.

Das hier ansässige Adelsgeschlecht der Velgauer könnte daher als ihre Eigenkirche die Erbauer der romanische Kirche sein.

Bauliche Belege bei kleineren Landkirchen sind schwierig zu beurteilen. Im 3. Geschoß im Kirchturm befindet sich ein Teil eines Bogenfensters oder einer Bogennische. Dies kann als Westaussenseite einer romanischen Kirche gedeutet werden. Diese Westmauer könnte bei späteren Umbauten teilweise erhalten geblieben sein. Da später ein Turm angebaut wurde und dieser Bogen somit an einer verbauten Stelle war, die nur zu sehen ist, wenn man den Turm innen besteigt, ist dies auch erhalten gebleiben. Es ist auch denkbar, dass die Westfassade ein wenig das Kirchdach überragt hat.
In der Romanik wurde noch Holzdecken verwendet und dafür musste die Querstreben in die Mauer eingelegt werden. Im Mauerwerk des Presbyterium gibt es Löcher, die als solche gedeutet werden können. Dies wurde vor allem dann gemacht, wenn die Außenmauern nicht stark genug waren um ein Kreuzgrat-Tonnen-Gewölbe zu tragen. Die Gewölbe sind trotz gotischer Kreuzrippen nicht eindeutig zu zuordnen. Das Presbyterium galt deswegen als erhaltener gotischer Teil. Er hat allerdings Rundbogenfenster und dazwischen finden sich keine gotischen Stützpfeiler an der Aussenseite.
Außerdem gibt es eine um 1900 zugebaute Krypta. Das ist typisch für romanische Kirchen. In der späteren Gotik wurden nur in selten Fällen Krypten eingerichtet.

Mögliches Aussehen der Romanischen Kirche

Dies legt als Deutung nahe, dass der erste Bau eine romanische Kirche war, so schmal, wie das Presbyterium und so lang, wie die Kirche heute ohne Turm. Die Aussenmauern wären demnach ca. 7,8m hoch gewesen. Ein Querhaus könnte sich auf Höhe der beiden Sakristeien in diese hinein erstreckt haben. Die Breite des Langhauses entspricht der des heutigen Presbyteriums mit 7,4m, die Länge 28m. Die Mauern selbst sind ca. 1m dick.
Türme wurden in der Romanik erstmals beliebt und dass diese Kirche keinen zumindest an der Westseite hat, könnte auf einen frühen Bau um 1000 hinweisen. Das Dach dürfte flacher gewesen sein, der Dachfirst wäre demnach unter 10m Höhe geblieben. Ein Turm oder Türmchen kann als Dachreiter aber schon vermutet werden.
Vielleicht helfen dies Überlegungen zu einer ersten Kirche durch bewusste Nachschau bei eventuellen Renovierungen entsprechendes zu entdecken und zu belegen.