Kirche St. Stefan

Äußere Erscheinung

Kirche St. StefanUnsere Pfarrkirche besteht aus Bauelementen aus Romanik, Gotik, Renaissance und späterer Zeit. Sie ist 32m lang.

Vom römischen Fundament auf dem die Kirche erbaut ist, ist heute nichts mehr zu sehen. Bei den Renovierungsarbeiten 2017 gab es Funde, die auf eine römisches Landhaus hinweisen.

Der ursprüngliche Bau einer ersten Kirche, vermutlich kurz nach 1000 errichtet, war so schmal wie der Altarraum und wahrscheinlich schon so lange, wie die heutige Kirche. Vermutlich war sie auch wesentlich niedriger als der Altarraum. Die Erbauer dürften aus einer spätere ausgestorbenen Adelfamilie Velgauer sein, die diese als sogenannte Eigenkirche errichtet haben.
Den im 14. Jahrhundert hier zuständigen Grundherren von Pfannberg der Adelsfamilie Montfort wird eine große Verehrung des Heiligen Stephan nachgesagt und diese dürften, den romanischen Kirchenbau gotisiert haben. Die Kirche wurde höher mit Kreuzrippengewölbe, wie es im Altarraum noch erhalten ist. Auch der wuchtige Kirchturm dürfte damals angebaut worden sein. Ursprünglich stand dieser auf 4 Bögen, 3 ins Freie und einer in die Kirche.
Auch dürften damals die beiden Sakristeien angebaut worden sein.

Im 17. Jhdt. wurden die Mauern der Kirchenschiffe um jeweils 1,8 m (nach damaligem Maß ein Klafter) nach außen versetzt. Teile des dabei abgerissen gotischen Hauptschiffes wurde bei den Renovierungsarbeiten 2017 gefunden, insbesondere Teile des Kreuzrippengewölbes. In die Südseite wurden 3 Fenster mit Rundbogen eingebaut. Das gotische West-Tor der  südlichen Sakristei, war nicht ursprünglich dort, sondern wurde vermutlich bei diesen Umbau hierher von woanders übertragen. Der Turm wurde vermutlich auch mehrfach im Aussehen verändert, Anfang des 20. Jahrhundert wurde er mit einem achtseitigen Spitzhelm versehen. Auch eine von außen angelehnte Kapelle wurde an den Turm gebaut und der südliche Torbogen vermauert (vermutlich 19 Jhdt). Die Turmstube war vermutlich auf einer Treppe in der Kirche erreichbar. Wann in der Kirche die Empore errichtet wurde ist nicht bekannt. Spätestens aber mit dem Bau der Orgel 1885 war auch ein Zubau nördlich des Turm errichtet worden als Aufstieg in die Turmstube und durch die ehemalige Turmstubentür auf die Empore und die interne Stiege wurde entfernt. Dazu wurde der nördliche Torbogen des Turms vermauert.
Die hintere Kirchentüre wurde auch vom östlichen Torbogen an die jetzt entstanden neu Außenseite dem westlichen Torbogen verlegt.
Bei Renovierungsarbeiten (um 1978) an der Außenseite zum Kirchplatz wurden kleine Stellen von Bemalung (Freskofragmente) sichtbar. Auch der noch bis 2017 vorhandene Zeiger einer Sonnenuhr lässt vermuten, dass diese Kirche ursprünglich mit Darstellungen und Ornamenten außen verziert war. 1978 wurde die Außenkapelle gedreht und durch den ehemaligen südlichen Bogen des Kirchturm zugänglich gemacht. 2017 wurde dann auch der Aufgang in die Turmstube und Orgel durch den nördlichen Torbogen des Turm in die Kirche verlegt und somit die Optik der Westseite verändert. Nicht nur diese Tür, sondern auch die, des aufgelassenen Besenkammerls gibt es daher nicht mehr. Die beiden Kirchentüren (West- und Südseite) erhielten bei dieser Renovierung ihr heutiges Aussehen.
Statt einheitlichem gelb wurden bei der letzten Renovierung, die gotischen Elemente betont. Die Westtüre wurde barrierefrei gemacht und mit Regendach versehen.

Es finden sich an der Kirchenmauer noch ins Mauerwerk eingelassene Grabsteine. Kreuz und Mater dolorosa-Statue sind ebenfalls Zeugen für den ehemaligen Friedhof rund um die Kirche wie die teilweise noch vorhandene Einfriedungsmauer. Die Lücke zum Pfarrhaus hin, war durch Abriss des Messnerhauses entstanden. In der Friedhofsmauer findet man weitere Grabsteine – allesamt aus dem 19. Jahrhundert. Der Friedhof wurde in der zweiten Hälfte des 19 Jhdt. an seinen heutigen Platz verlegt. Im Zuge der letzten Renovierung wurde mit einem Torbogen dieser Kirchhof auch zum Altenwohnheim hin geöffnet. Dadurch wurden auch die weiteren Flächen, die zum pfarrlichen Betrieb gehören besser nutzbar gemacht. Gleich hinter diesem Torbogen findet sich die Festwiese mit entsprechender Infrastruktur.

 

Drei Mal am Tag (um 7, um 12 und 19 Uhr) läutet eine Glocke und erinnert an das Gebet.

Rundgang in der Kirche

Presbyterium

Innen ist die Kirche 26m lang. Die Pfarrkirche weist auch innen verschiedene Stilrichtungen auf.
Der gesamte Marmorboden wurde 1977 aus der „Alten Sakristei“ des Stiftes
Rein nach St. Stefan übertragen.

Presbyterium (im allgemeinen Sprachgebrauch “Altarraum”)
Der Presbyterium ist zweijochig gotisch, das Westjoch hat ein gotisches Kreuzrippengewölbe aus dem 14. Jhdt, der runde Schlussstein zeigt ein Blattornament. Das Ostjoch ist mit einer Ringtonne versehen der Chorschluss innen gerundet, der Fronbogen ist rundbogig und leicht eingezogen. Das Fronbogenkreuz stammt aus dem 17. Jahrhundert. – Eine andere Quelle beschreibt das so: “… ein Joch mit gotischem Kreuzrippengewölbe und einem Fünfachtel-Schluß, wobei aber das Gewölbe des Abschlusses aus der Renaissance ist.”
Rechts und links neben dem Altar sind jeweils 2 Fenster mit Rundbogen. Die Stifter dieser Fenster sind namentlich am unteren Rand genannt. Auf den inneren Fensterscheiben ist links der Hl. Apostel Petrus (mit erhobener Hand) und rechts der Hl. Paulus (mit Schwert) zu sehen. Die Kirchenfenster erhielten im Barock ihre Form, die Fensterbilder wurden im Jahre 1905 von Ferdinand Koller angefertigt.
Das Gebeinhaus unter dem Altarraum wurde 1905 vermauert.

Der Hochaltar entstand 1803 (Tischlerarbeiten von Leopold Neulinger zu Gratwein), das Altarbild – „der Hl. Stephanus“ – stammt aus dem Jahre 1678 (Künstler nicht bekannt). Es zeigt die Steinigung, wie Stephanus nach Christi_Himmelfahrt_2013_02oben blickt und nimmt bezug auf Apostelgeschichte 7,56, wo Stephanus ruft: “Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.” Auf diesem Bild selbst sind Engel, die den Märtyrerkranz halten. Die heilige Dreifaltigkeit über Stephanus ist in unserer Kirche also nicht auf dem Bild, sondern über dem Altarbild. Der Künstler hat es hier wohl etwas genauer genommen, denn Stephanus wurde im Text der Apostelgeschichte nach dieser Aussage vor die Stadt zur Steinigung gebracht und dort sagt er: “Herr rechne ihnen diese Sünde nicht an.”
Beim Hochaltar selbst ist der Tisch gemauert und mit Holz verkleidet. Der Tabernakel darauf hat zwei Nischen, die untere für den Hostienkelch, die obere für die Monstranz. Seitlich wird der Tabernakel-Aufbau mit Säulen erweitert und knienden Engeln. Auf der Oberrseite flankiert von zwei lichttragenden Engeln ist eine stilisierte golden Wolke in die je nach Zeit im Jahresfestkreis das Jesuskind, der auferstanden Heiland, der Heilige Geist und das Lamm Gottes mit dem Buch mit den sieben Siegeln gestellt wird.
Links neben dem Hochaltar steht eine Statue des Hl. Pankratius, des 3. Pfarrpatrons, rechts die Statue des beliebten Volksheiligen Florian.
Der Taufstein (um 1700) steht links neben dem Hochaltar.
Darüber brennt in einer Ampel das Ewige Licht.
Der Volksaltar stellt als Auferstehungskunstwerk einen in der Mitte aufgebrochenen Stein dar, als Symbol für die Auferstehung. Das Ambo ist mit Steinen (“Murnockerln”) gefüllt, die teils beschriftet sind und symbolisieren, dass die Menschen mit ihren Lasten sich an Gott wenden und Befreiung finden.
Rechts und Links davon befinden sich die Türen in die Sakristeien. Deren Obergeschosse (Oratorien) sind zur Kirche hin offen. Die Obergeschosse sind nur über die Untergeschosse erreichbar. Die alte Sakristei (rechts, südlich) mit dem Kreuzrippengewölbe hat auch ein gotisches Westportal. Die neue Sakristei wurde um 1900 auf die heutigen Ausmaße vergrößert. Beide verfügen über ein Obergeschoss. Der Aufgang in der südlichen Sakristei war seinerzeit auch der Zugang zur Kanzel. Im Obergeschoss der neuen Sakristei sind die Solarthermik-Wärmespeicher.

Kirchenschiff

Das Kirchenschiff entstand durch Hinaussetzung der Außenmauern 1650 und ist dreijochig mit einem Kreuzgratgewölbe. Die Hängeleuchter aus Glas stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die beiden Seitenaltäre stammen aus dem Jahre 1809.
Maria wird in unserer Kirche besonders vereht. Der linke Seitenaltar ist der Marienaltar mit Verkündigungsszene im Altarbild  (in der Art des Matthias Schiffer)  und mit den Statuen des Johannes des Täufers links und  des Heiligen Josef rechts.  In der Altarkrone ist das Maria-Monogramm. Zu dieser Seite (volkstümlich auch “Frauenseite” genannt) gehört auch die “Pieta”-Statue (18. Jahrhundert) in der Hälfte des Kirchenschiffes auf einem Sockel.
Die rechte Seite ist dem 2. Pfarrpatron, dem Hl. Donatus, gewidmet und daher ist er am Altarbild (1809) des Seitenaltars zu sehen und als Statue (in Art des Jakob Peyer kurz vor 1700) auf einem Sockel in der Hälfte des Kirchenschiffes. Links neben dem Altar befindet sich eine Statue des Hl. Sebastian und rechts des Hl. Rochus. In der Altarkrone ist das Christus-Monogramm. Der Tabernakel des Altars dient in der Fastenzeit als sogannter “Kerkertabernakel”. Wenn sich das Allerheiligste dort befindet steht auch das ewige Licht dort. Auf einem Pult liegt das Evangelar. Es wird dort jeden Sonntag nach dem Evangelium mit dem aktuellen Sonntagsevangelium aufgelegt. Die Kanzel wurde entfernt und war neben der Statue des Hl. Sebastian.
An der Mitte der Südseite befindet sich eine Seitenausgang der Kirche. Es gibt im Kirchenschiff an der Südseite drei Fenster. Das mittlere ist direkt über dem Seitenausgang.
Die Empore, eingebaut ins letzte Joch, besteht aus einem Kreuzgratgewölbe auf zwei Rundsäulen mit vorgezogener, geschwungener Holzbrüstung.
Die Orgel wurde 1885 von Carl Billich errichtet.
Bei der Renovierung 1976/77 wurde die jetzigen Kirchenbänke aufgestellt. Die damalige Unterbankheizung wurde später durch eine moderne elektrische Aufbankheizung ersetzt. Diese Renovierung sollte eine dauerhafte Sanierung der Außenwände, insbesondere der Nordwand bringen. Die wesentliche Verbesserung durch eine thermische Wandheizung (u.a. mit Solarthermik beheizt) war nicht ausreichend, so dass dies auch bei den Arbeiten 2016-2018 nochmals von der Außenseite saniert werden musste.
An den Wänden hängen  Kreuzwegbilder (1909) von August Kraus.

Kirchturm

Unter dem Turm befinden sich nach allen 4 Richtungen Torbögen. Der östliche Bogen ist mit einer Glastüre versehen und macht aus diesem Bereich einen Vorraum zur Kirche. Tatsächlich dürfte statt dieser Glastüre hier lange Zeit Außentüre der Kirche gewesen sein.
Auch der Torbogen nach Süden ist mit einer Glastür versehen und führt somit in einen Nebenraum, der ursprünglich eine an die Kirche angebaute Kapelle war. Dieser Raum wird von Familien mit Kleinkinder beim Gottesdienst genutzt und  für kindergerechte Wordgottesfeiern als Teil des Gemeindegottesdienst genutzt. Das Tor dieser Kapelle ist heute ein Fenster. In der Wölbung befindet sich ein Glasfenster, dass die 5 Katastralgemeinden von Gratkorn darstellt. Der untere Teil des Fenster ist als Milchglas und wird von Kindern entsprechend mit durchscheinenden oder Schatten-Bildern gestaltet. Dort befindet sich u.a. auch der Beichtstuhl. Mit der in den Torbogen eingebauten Glastüre ist hier ein eigener Raum entstanden.
Der nördliche Torbogen führt zur Kerzengrotte (rechts) und zur Treppe in die Turmstube.
Auf dem Weg zur Turmstube ist in einem ehemaligen “Besenkammerl” ein altes Glockenjoch ausgestellt. Von der Turmstube führt eine steile Treppe in den Kirchturm weiter. Die Löcher für die Schnürre mit denen die Glocken einst geläutet wurden kann man noch sehen. Solche Löcher waren auch im Boden der Stube. Die Türe führt auf die Empore.

Einen “Stock” höher (Uhrwerkboden) sieht man ein kleines gotisches Fenster in Richtung Osten. Ein Tür führt in den Kirchendachboden. Das alte Gemäuer wurde barockisiert. Die Lichtöffnungen Richtung Westen sind rund.
Noch höher oben in der Glockenstube sind je zwei rundbögige Fenster in alle Himmelsrichtungen. Dort befinden sich die 4 Glocken, die elektronisch gesteuert werden.

 

Quellen:
C.J. Brandtner: Geschichte der Pfarre

Kamera-Rundblick

Kirchenrenovierung

Der äußere Zustand der Gratkorner Kirche gab lange Zeit Anlass zur Sorge. Der Putz bröckelte, Bereiche des Fundamentes waren stark durchfeuchtet – es bestand Handlungsbedarf. Eine umfassende Sanierung wurde ins Auge gefasst und von 2017 bis 2019 in Etappen umgesetzt. Die Kirche erstrahlt nun innen und außen wieder!

Wenn Sie die Kirchenrenovierung finanziell unterstützen möchten, dann bitten wir,
dass Sie Ihre Spende auf das Konto AT16 3811 1000 0300 0296 einzahlen und beim
Verwendungszweck „Kirchenrenovierung“ eintragen.
Herzlichen Dank, Vergelt’s Gott für Ihre Unterstützung!